10 Joseph Henry, der Namensgeber der Induktivitätseinheit

Die internationale Einheit der Induktivität ist das Henry. Die Sl Einheit 1 Henry mit dem Einheitenzeichen H ist festgelegt als die Fähigkeit einer Spule, bei einer gleichmäßigen Änderung der Stromstärke um 1 Ampere (A) in 1 Sekunde (s) eine elektrische Spannung von 1 Volt (V) zu induzieren (Bild 32):

Formel

Damit ist die Einheit der Induktivität eine von den Einheiten Volt (V), Ampere (A) und Sekunde (s) abgeleitete Einheit des Internationalen Einheitensystems, wobei die Einheiten Ampere (A) und Sekunde (s) Basiseinheiten sind und die Einheit Volt (V) bereits eine von den Einheiten Ampere (A), Meter (m), Kilogramm (kg) und Sekunde (s) mehrfach abgeleitete Einheit darstellt.

Namensgeber der Sl Einheit der Induktivität ist der amerikanische Physiker Joseph Henry (Bild 33). Henry wurde am 17. Dezember 1779 in Albany im Staate New York (USA) geboren. Zunächst war er beruflich als Uhrmacher tätig. Im Jahr 1826 wurde er Mathematik Professor an der Akademie in Albany und 1832 Professor der Physik an der Universität in Princeton. An dieser Universität lehrte später auch der deutsche Physiker Albert Einstein (1879 1955), der die Relativitätstheorie aufstellte. Im Jahre 1846 wurde Henry Sekretär der Smithonian Institution in Washington, einer führenden nordamerikanischen Akademie, die u.a. als Zentralstelle für den weltweiten Austausch von wissenschaftlichen Gegenständen zwischen Forschungsanstalten zuständig war. Zugleich war Henry ab 1868 Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Festlegung der SI-Einheit der Induktivität

Bild 32: Festlegung der SI-Einheit der Induktivität

Als Physiker beschäftigte sich Henry insbesondere mit den Erscheinungen des Elektromagnetismus. Fasziniert war er von der Entdeckung des dänischen Physikers Hans Christian Oersted (1777 1851), dem im Jahre 1820 der experimentelle Nachweis des Zusammenhanges zwischen Elektrizität und Magnetismus gelungen war. Aus England erfuhr Henry, daß dort der Physiker William Sturgeon (1783 1850) einen kleinen Elektromagneten erfolgreich gebaut hatte (Bild 34). Diese Erfindung interessierte ihn besonders, da er für große Elektromagnete zum Heben von Lasten in der Industrie vielfältige Anwendungsmöglichkeiten voraussah. Er unternahm deshalb in den Jahren 1836 und 1837 eine Europareise mit dem Ziel, Fachleuten der Elektrotechnik zu begegnen und Erfahrungen auszutauschen. So begegnete er in England William Sturgeon, dessen Erkenntnisse beim Bau von Elektromagneten ihm halfen, nach der Rückkehr Elektromagnete für industrielle Zwecke herzustellen. Seinen größten Magneten baute Henry im Jahre 1851 (Bild 35). Er hatte eine Masse von 50 kg und konnte Lasten bis zu ca. 2 t heben. Erstmals wurden dabei die Spulendrähte durch eine Seidenumhüllung voneinander isoliert. Henry führte auch ausführliche Gespräche während seiner Europareise mit dem englischen Physiker Michael Faraday (1791 1867), der am 29. August 1831 die Erscheinung der elektromagnetischen Induktion entdeckt hatte. Weiter traf er mit Charles Wheatstone (1802 1875) zusammen, nach dem eine Widerstandsmeßbrücke benannt wurde, und Samuel Christie, dem eigentlichen Erfinder der WheatstoneMeßbrücke. Eine Begegnung erfolgte außerdem mit dem englischen Mathematik Professor Charles Babbage (1792 1871), dem geistigen Urheber der programmgesteuerten Rechenmaschinen, der ihm seine Rechenmaschine vorstellte.

Joseph Henry (1779-1878)

Bild 33: Joseph Henry (1779-1878)

Große Verdienste erwarb sich Joseph Henry auch auf dem Gebiet des Wetterdienstes. Er begründete die amerikanische Wetterberichterstattung und war Schöpfer der Wetterkarte, die später überall gebräuchlich wurde.

Grundprinzip des Elektromagneten

Bild 34: Grundprinzip des Elektromagneten

Noch aus einem anderen Grund ist Joseph Henry für seine Nachwelt von Bedeutung. Er hinterließ den Historikern soviel über das Leben seiner Zeit wie kein anderer Wissenschaftler. Seine Aufzeichnungen sind zum Teil ausgewertet und bereits fünf umfangreiche Bände mit dem Titel The Papers of Joseph Henry" von der Smithonian Institution Press, New York, veröffentlicht worden. Man schätzt, daß die noch nicht bearbeiteten Aufzeichnungen von Henry noch einmal sieben Bände von je ca. 600 Seiten ergeben können.

Technische Ausführung eines Lasthebemagneten

Bild 35: Technische Ausführung eines Lasthebemagneten

Joseph Henry starb am 13. Mai 1878 in Washington. Seine Verdienste als amerikanischer Pionier der Elektrotechnik und Urheber des Systems des Wetterberichtes begründen, daß die Einheit der Induktivität weltweit seinen Namen trägt.