5 Georg Simon Ohm, der Namensgeber der Widerstandseinheit

Die internationale Einheit des Widerstandes ist das Ohm. Die Sl Einheit 1 Ohm mit dem Einheitenzeichen 0 ist festgelegt als der elektrische Widerstand zwischen zwei Punkten eines fadenförmigen, homogenen Metalldrahtes von konstanter Temperatur, durch den bei einer elektrischen Spannung von 1 Volt (V) zwischen den beiden Punkten ein zeitlich konstanter Strom von der Stärke 1 Ampere (A) fließt (Bild 13):

Festlegung der SI-Einheit des elektrischen Widerstandes

Bild 13: Festlegung der SI-Einheit des elektrischen Widerstandes

Damit ist die Einheit des elektrischen Widerstandes eine von den Einheiten Volt (V) und Ampere (A) abgeleitete Einheit des Internationalen Einheitensystems, wobei die Einheit Ampere (A) eine Basiseinheit ist und die Einheit Volt (V) bereits eine von den Einheiten Ampere (A), Kilogramm (kg), Meter (m) und Sekunde (s) mehrfach abgeleitete Einheit darstellt.

Namensgeber der Sl Einheit des elektrischen Widerstandes ist der deutsche Physiker Georg Simon Ohm.

Georg Siman Ohm (1789-1854)

Bild 14: Georg Siman Ohm (1789-1854)

Mit 11 Jahren trat er im Juni 1800 in das Gymnasium ein. Nach Bestehen der Abschlußprüfung am 22. April 1805 studierte er an der Universität in Erlangen Physik, Mathematik und Philosophie. Im Jahr 1806 gab er aus finanziellen Gründen sein Studium auf und reiste in die Schweiz, wo er zunächst an der Privatschule eines Pfarrers in Gottstadt im Kanton Bern MathematikUnterricht gab. 1809 verließ er diese Schule und ging als Privatlehrer nach Neuenburg, dem heutigen Neuchätel in der Westschweiz. Zwei Jahre später kehrte Ohm nach Erlangen zurück, nahm sein Studium wieder auf und legte Ende des Jahresl8ll an der Philosophischen Fakultät der Universität seiner Vaterstadt die Doktorprüfung ab. Anschließend war er Privatdozent, bis er eine besser bezahlte Stelle als Lehrer an der Realschule in Bamberg bekam.

Im Spätherbst 1817 wechselte Georg Simon Ohm zum Gymnasium nach Köln, das mit physikalischen Einrichtungen gut ausgestattet war, so daß er seiner Freude am physikalischen Experimentieren nachgehen konnte. Er wandte sich zunächst vor allem der Erforschung der damals noch geheimnisvollen, galvanischen Ströme zu. Ohm untersuchte mit primitiven Mitteln, wie die Stromstärke bei verschiedenen Metallen von der Drahtlänge abhängig ist. Als Maß für die Stromstärke galt die Ablenkung einer Kompaßnadel, die sich in der Nähe des stromdurchflossenen Leiters befand. Eindeutige Erkenntnisse konnten nur schwer gewonnen werden, da die Klemmenspannung der verwendeten galvanischen Elemente nicht konstant, sondern vom Belastungsstrom abhängig war. Deshalb verwendete Ohm bei späteren Versuchen auch Thermoelemente als Spannungsquellen, die zu eindeutigen Ergebnissen führten. Im Jahre 1825 veröffentlichte Georg Simon Ohm in einem Jahrbuch der Physik und Chemie die ersten Ergebnisse seiner Arbeit unter dem Titel "Vorläufig Anzeige des Gesetzes, nach welchem Metalle die Kontaktelektrizität leiten".

Im Jahre 1826, nachdem Georg Simon Ohm seine ersten Erkenntnisse formuliert und veröffentlicht hatte, richtete er ein Gesuch um einen einjährigen Studienaufenthalt in Berlin an die zuständige Behörde, das auch bewilligt wurde. In Berlin konnte Ohm bei seinem Bruder wohnen, der Professor an der Universität war. Da ihm nun vielfältigere Möglichkeiten zur Fortsetzung seiner Studien zur Verfügung standen, zeigten sich bald die Früchte seiner Forschungen. Im Mai 1827 erschien seine weitere Schrift "Die galvanische Kette mathematisch bearbeitet", die eindeutig das beinhaltete, was in der ganzen Welt als Ohmsches Gesetz bekannt wurde.

Seite aus Ohms Versuchsprotokoll

Bild 15: Seite aus Ohms Versuchsprotokoll

Georg Simon Ohm formulierte damals seine Erkenntnisse etwa folgendermaßen. Die Stärke des elektrischen Stromes ist in einem geschlossenen Stromkreis bei konstanter Temperatur proportional der Spannung und umgekehrt proportional der "reduzierten Länge" (Bild 16). Unter der "reduzierten Länge" verstand er den elektrischen Widerstand, ohne diesen Begriff zu verwenden. Er hatte auch erkannt, daß diese "reduzierte Länge" proportional der Leitungslänge und umgekehrt proportional dem Leitungsquerschnitt und der materialabhängigen Leitungsgüte ist.

Ohmsches Gesetz in ursprünglicher und heutiger Schreibweise

Heute schreiben wir das Ohmsche Gesetz, das eine wesentliche Grundlage der gesamten Elektrotechnik darstellt, jedoch in einer anderen Form:

Ohmsches Gesetz in ursprünglicher und heutiger Schreibweise

Bild 16: Ohmsches Gesetz in ursprünglicher und heutiger Schreibweise

Ohm wandte sich danach an den König von Bayern mit der Bitte um eine Anstellung an der Akademie oder Universität in München. Daraufhin ernannte ihn Ludwig I. am 3. Juli 1833 in einem Dekret endlich zum Professor für Physik, aber nicht in München, sondern an der Polytechnischen Schule in Nürnberg. Nachdem sich der Ruf von Georg Simon Ohm als Gelehrter langsam durchgesetzt hatte, folgten für ihn die Jahre der Ehrungen. Im Jahre 1839 wurde er korrespondierendes Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. 1841 wurde Ohm durch die Royal Society in London mit der Copley¬Medaille geehrt, die dem heutigen Nobelpreis entspricht. Außerdem wurde er im gleichen Jahr noch korrespondierendes Mitglied der Physikomathematischen Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Turin. Nach all diesen ausländischen Auszeichnungen wollte man in seinem Vaterland auch nicht länger nachstehen. Am 1. Oktober 1845 ernannte ihn die Mathematisch Physikalische Klasse der Königlichen Bayerischen Akademie der Wissenschaften zum ordentlichen Mitglied. Von Maximilian II. wurde er am 23. November 1849 außerdem zu zweiten Konservator der Mathematisch Physikalischen Staatssammlung bei der Bayerischen Akademie berufen. Und endlich wurde Georg Simon Ohm mit 63 Jahren am 1. Oktober 1852 zum ordentlichen Professor für Mathematik und Physik an die Universität in München berufen. Hier wirkte Ohm noch einige Jahre, bis ein Schlaganfall sein erfülltes, wenn auch nicht leichtes Leben beendete. Georg Simon Ohm starb am 6. Juli 1854 im 66. Lebensjahr in München.