6.6 Backofen-Reinigungssysteme

Beim Einsatz des Backofens können Verschmutzungen entstehen. Diese lassen sich durch das Braten im geschlossenen Gefäß, durch das Backen von Obstkuchen in der Fettpfanne und durch eine angepasste, nicht zu hohe Temperatur verringern oder ganz vermeiden. Ist eine Reinigung trotzdem notwendig, so wird diese durch

  • glatte, porenlose Emailoberflächen,
  • Emailoberflächen mit zusätzlicher Siliziumbeschichtung = Antihafteffekt (Miele),
  • abklappbare Grillheizkörper,
  • glatte Backofentüren (innen und/oder außen), herausnehmbare Scheiben ohne Werkzeug,
  • herausnehmbare Einsteck- und Einschubvorrichtungen erleichtert.

Die Reinigung wird durch Reinigungshilfen vereinfacht oder durch eine Selbstreinigung ganz abgenommen.

6.6.1 Reinigungshilfen

Einweichprogramm

Auf den kalten Backofenboden wird eine kleine Menge Spülmittelwasser gegeben. Sie wird auf 60 °C erhitzt. Die erwärmte Spüllauge kondensiert an den kühlen Backofenwänden. Der so eingeweichte Schmutz kann mit einem Schwamm entfernt werden (Gorenje, Neff).

Bei Backöfen mit integriertem Dampfgarsystem kann der Schmutz durch Dampfzugabe gelöst und dann leichter aus dem Garraum entfernt werden.

Unterstützung von Backofensprays

Diese Zusatzfunktion ist anzuwenden, wenn der Backofenspray-Hersteller eine Anwendung im erwärmten Backofeninnenraum empfiehlt. Der Backofen wird auf 80 °C erhitzt, ein Signal ertönt. Spray einsprühen und einwirken lassen. Dadurch wird eine bessere Reinigungswirkung des Backofensprays erzielt (AEG).

Fettfilter/ Katalysator

Beim Garen im Backofen entsteht Wrasen, der Fett, Geruchs- und Schwebstoffe enthält. Die angereicherte Backofenluft wird durch das Lüfterrad angesaugt und über den Fettfilter und/oder Katalysator geführt.

Der Fettfilter besteht aus einem Aluminium- oder Edelstahlgewebe (ähnlich eines Fettfilters in der Dunstabzugshaube) und muss je nach Nutzungshäufigkeit entnommen und von Hand oder im Geschirrspüler gereinigt werden.

Der Katalysator ist ein Geflecht, das mit einer Platin- oder Platinpaladiumschicht überzogen oder zu 100 % aus hochempfindlichem Paladium besteht. Im Katalysator werden die fetthaltigen Verbindungen zu geruchlosen Verbindungen und Feuchtigkeit umgewandelt; Back- und Bratgerüche verschwinden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Katalysator seine Betriebstemperatur von 180 bis 220 °C bzw. bis ca. 500 °C (Miele) erreicht. Dies kann beim Einsatz des Ringheizkörpers durch die parallel erfolgende Miterwärmung oder durch eine Zusatzbeheizung von Beginn an erfolgen. Der Katalysator ist ein Dauerfilter und darf nicht gereinigt werden.

Katalytische Reinigungshilfe

Durch die katalytische Beschichtung der Innenwände und/oder der Backofendecke erfolgt der Abbau von fetthaltigen Schmutzrückständen. Die Reinigung erfolgt durch ein Spezialemail bzw. eine Spezialkeramik, wobei in beiden Fällen die Oberfläche besonders rau und porös ist. Die vergrößerte Oberfläche bewirkt, dass sich Fettspritzer und -dämpfe großflächig auf dem Spezialemail verteilen (Löschblatteffekt).

In der Oberfläche eingelagerte Metalloxide (Katalysatoren) lassen in Verbindung mit Luftsauerstoff und Hitze Fett oxidieren und in Wasser und Kohlendioxid zerfallen. Je höher die Temperatur, um so schneller und besser ist die Reinigung. Die Reinigung geschieht während des Backens und Bratens, wenn Temperaturen von mehr als 200 °C erreicht werden.

Katalytische Innenwände können serienmäßig eingesetzt sein oder werden als Sonderzubehör (Katalyse-Set) zum Einhängen oder Aufschrauben für Backofenrückwand und -decke angeboten. Die katalytische Keramikbeschichtung (EcoClean: Bosch, Siemens, Neff) kann mit Hilfe spezieller Reinigungsprogramme regeneriert werden.

Wenn die Reinigungswirkung nachlässt, sind die Bleche auszutauschen. Der Zeitpunkt hängt von der Nutzungshäufigkeit ab.

Die poröse katalytische Oberfläche darf nicht mit Backofenspray, scheuernden Reinigungsmitteln, festen Bürsten, Scheuerschwämmchen oder verseifter Putzwolle behandelt werden. Die Reinigung sollte mit einem weichen, mit Spülmittel getränkten Schwamm, erfolgen.

6.6.2 Pyrolytische Selbstreinigung

Bei der pyrolytischen Reinigung werden automatisch sämtliche Verunreinigungen im Backofen bei hohen Temperaturen verschwelt. Dies geschieht in einem gesonderten Programm. Danach müssen lediglich die veraschten Rückstände vom Benutzer mit einem feuchten Tuch entfernt werden.

Der Backofen wird mit verschiedenen Heizleitern mit einer Gesamtheizleistung von ca. 3000 W aufgeheizt. Eine temperaturabhängig gesteuerte Türverriegelung verschließt die Tür automatisch bei Backofeninnentemperaturen von mehr als 300°C. Während der weiteren Aufheizphase wird herstellerspezifisch u. U. der Wrasenaustritt zur Verhinderung einer Geruchsbelästigung geschlossen und ein Gebläse zur gleichmäßigen Wärmeverteilung zugeschaltet. Bei Temperaturen von ca. 500 °C und relativ geringer Luftzufuhr verschwelen bzw. veraschen alle organischen Schmutzrückstände. Die dabei entstehenden Dämpfe werden z. T. über einen Katalysator geführt, oxidiert (Zerfall in Kohlendioxid und Wasser), dadurch geruchsmäßig neutralisiert und nach außen geführt.

Temperaturverlauf bei der pyrolytischen Selbstreinigung

Bild: Temperaturverlauf bei der pyrolytischen Selbstreinigung

Je nach Hersteller müssen die Einhängegitter oder Führungsschienen für Backwagen sowie Bleche vor dem Reinigungsbeginn entfernt werden; u. U. wird der Benutzer daran erinnert, oder ein Sensor detektiert das Vorhandensein der Gitter und verhindert den Start des Pyrolysevorgangs.

Der spezielle Reinigungsvorgang wird entweder

  • durch ein Zeitprogramm aktiviert, das zwischen ca. 1,5 bzw. 2 oder 3 Stunden liegen kann,
  • nach Verschmutzungsgrad in 2 - 3 Stufen gewählt oder
  • verschmutzungsabhängig gesteuert (Automatik) (DeDietrich, Miele). Die bei der Verschwelung von Schmutz entstehenden Rauchgase werden durch Sensoren erfasst. Entstehen keine Gase mehr, sind alle Verschmutzungen entfernt und die Beheizung wird abgestellt.

Der Backofen kühlt langsam ab und ist bei Temperaturen unter 300 °C wieder zu öffnen.

Die hohen Temperaturen erfordern zum Schutz der nebenliegenden Möbelteile eine besondere Geräteausstattung:

  • verstärkte Wärmedämmung und mehrfache Türverglasungen, z. T. reflektierende, metalloxidbedampfte Innenscheibe, um niedrige Außentemperaturen am Gerät zu gewährleisten
  • Spezialemaillierung des Backofens
  • besondere Türdichtungen
  • mechanische und/oder thermische Verriegelung bzw. Entriegelung bei ca. 300 °C zum Schutz vor Verbrennungen
  • z.T. Katalysator, zur Beseitigung von Schwelgasen
  • Gehäusekühlung mit Querstromlüfter.

Das Reinigungsprogramm verbraucht zwischen 2,5 und 9 kWh je nach Programm. Dafür kann auf den Kauf von Backofenreinigern verzichtet werden. Die Reinigungswirkung ist über die gesamte Lebensdauer des Herdes nutzbar.